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Ich hatte gute Laune. Wie kommt das?

Es gibt Phasen, die können auch sehr, sehr lange dauern, da kann ich mich an gar nichts erfreuen. Nicht mal an Dingen, die mir sonst eigentlich Freude machen, nichts hilft mir, aus dem dunklen Loch heraus zu kommen. Ich bin tatenlos, antriebslos, leer. Ich kann dasitzen und mir sagen: Tu es – mach es – jetzt – es hilft dir … Nö. Ich kann es nicht tun. Da regt sich nichts in mir. Da ist nichts. Vielleicht schaffe ich es ab und an, es doch zu tun, mich zu zwingen. An das Klavier zu sitzen z. B. Aber dann sitze ich da und arbeite das Ganze ab. Sehe nebenbei auf die Uhr, wann endlich eine Zeitspanne vergangen ist und ich aufhören kann. Soll das dann etwas sein, das einen erfüllt? Ich könnte etwas Malen. Aber allein die Vorstellung, all die Dinge dafür aus dem Schrank zu kramen, halten mich davon ab. Die Depression schlägt immer wieder erbarmungslos zu. Aber ich bin nicht depressiv. Ich habe nur schlechte Laune. Das sagte mal eine Ärztin zu mir. Okay. Ist ja auch egal, wie man es nennt. Mit Ärzten bin ich sowieso fertig.

Die letzte Nacht war wieder einmal geprägt von Schmerzen und zur Krönung des Ganzen noch ein Alptraum, der sich gewaschen hatte. Fast so gewaschen wie die Natur da draußen. Ach ja, es regnet schon wieder. Nein, es schüttet. Aus Kübeln. Sogar durch den schmalen, geöffneten Lüftungsschlitz der schrägen Dachfenster hat der Regen sich hereingemogelt. Nun gut. Oder nicht so gut. Ich stand nach der üblen Nacht auf und war erstaunt. Ich hatte gute Laune. Wie kommt das? Tatsächlich ist mir dies seltsame Phänomen noch irgendwo in den Windungen meiner Erinnerungsschleifen im Gehirn bekannt. Aus früheren Zeiten. Auch da war das Leben schon heftig. Aber ich freute mich jeden Morgen auf das Schreiben in meinem Blog. Sollte es tatsächlich möglich sein, daß diese Medizin so schnell beginnt zu wirken? Schreiben heilt? Schreiben tut der Seele gut? Schreiben, das Schreiben, das mich immer schon begleitet und erfüllt hatte? Außer in all den vergangenen, letzten Jahren? Schreiben ist Leben. Fühle ich mich jetzt lebendig, trotz allem andern, das da das Leben immer wieder ausbremst? Eines ist jedenfalls sicher. Ich habe heute gute Laune. Genügt ja auch, eigentlich.

Nickname 16.07.2021, 07.48

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Kommentare zu diesem Beitrag

6. von Johanna

Hallo Linda!
Wenn ich an die Zeit zurück denke, in der ich quasi täglich abends Resumé gezogen hatte, dann stelle ich fest, wie gut mir das getan hat.
Dann gab es ja leider eine Zeit, in der ich von der Familie meines Mannes so dermaßen gestalkt wurde, so dass mir das Ganze am Ende verleidet war. Ich traute mich nicht mehr, etwas zu schreiben.
Ich habe in der letzten Zeit dann nebenher versucht, einen unöffentlichen Blog zu schreiben, aber das ist nicht das Gleiche.
Mir fehlt mein eigener, schwarzer Humor, um mich aufzurichten. Auch wenn ich immer auf Gott baue und vertraue, aber Schreiben löst und erklärt einfach so viel. Klärt Dinge in einem.
So ein Blog ist nicht mit Instagram oder Twitter zu vergleichen. Ich würde mich freuen, wenn wir wieder eine eingeschworene Gemeinschaft wären.

Schön, dass Du am Morgen einfach so gute Laune hattest.
So ein Umzug bringt viele Umwälzungen mit sich, bei denen auch Baustellen abgearbeitet werden müssen. Manchmal frage ich mich, wo die Zeit geblieben ist am Abend.

Liebe Grüße von Johanna

vom 16.07.2021, 23.54
5. von KoRa

Hallo, ja, das mit der Unlust kenne ich. Wenn man erst mühsam alles zusammensuchen muss.....
Aber beim Malen gibt es für mich eine wundervolle Abhilfe: ein IPad und die App Procreate und der Malspaß kann beginnen, wo immer man ist und ohne mühsames zusammensuchen der Utensilien. Vielleicht wäre das ja eine Alternative? Ist natürlich nicht ganz billig, aber doch eine Anschaffung für länger.
Gab es da nicht in alten Zeiten so ein Computerspiel? Was ist daraus geworden?
Liebe Grüße und ich freu mich hier wieder lesen zu können.

vom 16.07.2021, 18.33
Antwort von Nickname:

Das Spiel gibt es noch. Ist noch am meisten im Gebrauch. Liebe Grüße!
4. von BergfalkeR

Das mit den dunklen Löchern kenne ich auch sehr gut. .

vom 16.07.2021, 18.13
3. von Sonja

Dieses Gefühl, zu nichts Lust zu haben, kenne ich nur zu gut. Es gibt so viele Dinge, die ich gerne machen würde. Aber oft kann ich mich nicht dazu aufraffen. Ich hasse das!

Hoffe, Deine gute Laune hält noch an! :)

Liebe Grüße von Sonja

vom 16.07.2021, 16.01
2. von Morgentau

Halte sie fest, die gute Laune!!!!!!!! Ganz ganz fest.

vom 16.07.2021, 08.36
1. von Ocean

Klasse :) :) Und ich kann's gut nachfühlen. Schreiben hilft mir auch sehr, seit eh und je, in vielen verschiedenen Formen hat es mich immer begleitet.

Manche Ärzte sind wirklich ...nee, ohne Worte :(

Ich wünsche dir einen schönen Tag mit vielen Glücksmomenten :)

Liebe Grüße, Ocean

vom 16.07.2021, 07.54
  
  
 
   
Coffee and Words

 

Was ist schon ein Wort.

Eine Aneinanderreihung von Buchstaben.

Seltsame Schnörkel aufeinander folgend.

Kaffee, ja, Kaffee ist lebenswichtig.

Mit Milch und Zucker. Schön süß.

Das Leben versüßen.

Gemütlich dasitzen,

den heißen Kaffeebecher in der Hand.

Und die Gedanken laufen lassen. Irgendwohin.

Sollen sie doch!

Was sind schon Gedanken.

Vielleicht so etwas ähnliches wie Worte.

Sie kommen und gehen von alleine.

Okay, eher bleiben sie.

Ich könnte die Gedanken in Worte fassen.

Und sie ein bißchen in den heißen Kaffee tauchen.

Dann erschrecken sie.

Dann gehen sie vielleicht. Tschüß!

Oder ich gebe ihnen einen Platz. Keinen Raum.

Raum haben sie in meinem Kopf genug.

Raus aus meinem Kopf. Rein in das Blog.

Raus aus meinem Kaffee!

    

  

   

   

Was ich mag?

Stundenlang mit dem Löffel im Kaffeebecher kreisen.
Erst kommt der Zucker, dann die Milch in den Kaffee.
Und der Löffel bleibt beim Trinken in der Tasse!
Schon ein bißchen umständlich?
Was mag ich noch?
Schöne Worte, so wie früher.
Kein modernes Deutsch.
Schon gar kein ... wie sagt man? Denglisch?
Altmodisch könnte man das nennen.
Einfache, klare, deutliche Worte.
Fremdworte? Nö. Konnte ich noch nie leiden.
Vielleicht hatte ich auch Angst,
sie falsch einzusetzen.
Ich mag aber sowas von gar nicht Sprechen.
Ich schreibe lieber.
Oder ich habe geschrieben.?Früher.
Ist mir irgendwann und irgendwo
abhanden gekommen.
Wer sucht, der findet. Oder?
Vielleicht finde ich es wieder.
Das Schreiben.
Die Worte.
Fange ich doch einfach
mit Buchstaben an.
Schön aneinanderreihen.
Wie hübsch sie dastehen!
Geht doch!