Ausgewählter Beitrag

Weil ich die Buchstaben tanzen sehe.

Es ist Abend und ich bin allein. Draußen begann erst der Regen, wieder einmal, dazu kam dann das Gewitter. Nein, schlimm war das nicht, aber ein bißchen unheimlich. Weil es viel zu viele schlimme Gewitter und Unwetter seit einiger Zeit gibt. In den Nachrichten im Fernsehen waren die unfaßbaren Ausmaße zu sehen, was das Wasser in vielen Teilen Deutschlands angerichtet hat. Und das ist nicht nur gruselig, unheimlich, sondern macht wirklich echt auch Angst.

Regen habe ich immer schon geliebt. Wenn ich im Bett liege und der Regen so schön auf das Dach prasselt, ist das die einzige Musik, die ich liebe. Und das einzige Geräusch, das mein Körper akzeptiert, um Einschlafen zu können. Alles andere ist Lärm. Die Nachbarn draußen im Sommer. Die Nachbarn in der Wohnung unter uns. Das Getrampel und Gepolter. Die Fliege, die sich in das dunkle Zimmer verirrt hat, bevor ich Fenster und Tür schloß. Und mich in den Wahnsinn treiben will. Aber Regen? Oder so ein kleines Gewitterchen? Das war immer schön. Heimelig. Irgendwie ein Gefühl von Geborgenheit, dann im Bett zu liegen, sich einzukuscheln und sich doch sicher zu fühlen. Wie so ein kleines Kind. Mama und Papa passen auf dich auf. Hab keine Angst.

Aber inzwischen bin ich erwachsen. Wer beschützt mich jetzt?

Nun ja. Bei Hagel hört der Spaß von gemütlichem Regen auch auf, wenn er auf die Dachfenster donnert, als würde er Krieg führen wollen. Da schleicht sich dann die Panik ein, die Fenster könnten kaputt gehen. In den ganzen letzten Jahren haben wir gelernt, daß auf das Wetter kein Verlaß mehr ist. Daß die schlimmen Unwetter überall und jederzeit alles vernichten können. Kleine Bächlein werden zu reißenden Flüssen. Sturm und auch Hagel zerstören ganze Dächer und Häuser. Und es passiert immer öfter und immer krasser. Der Wettermann im Fernsehen sprach gerade heute davon. Extrem lange, heiße Perioden werden sich mit extrem nassen, stürmischen Zeiten abwechseln. Die Sommer werden kaum noch durchwachsen sein, wie wir sie als Kinder noch gekannt haben. Es lebe das Extrem.

Irgendwie ja überall so … Wenn ich so nachdenke … Überall Extreme. Auch bei den Menschen. Manchmal kann man nur sprachlos den Kopf schütteln, was da so alles abgeht auf der Welt. Gerade in all den Monaten, seit Corona unser Leben bestimmt. Extreme Meinungen, Ansichten. So viel Haß und so viel Wut. So viel Verzweiflung und Leid. Extreme. Verrückt, die Welt.

Wie weit läßt man Angst zu? Nicht so weit nach vorne denken. Und schon gar nicht im Gestern verweilen. Jeden Moment mit Leben füllen. Die Fliege im Zimmer nachts lebt auch ihr Leben. Wie viele Leben hat sie wohl? Ich spüre gerade etwas Lebendigkeit in mir. Vielleicht, weil ich die Buchstaben tanzen sehe. Das bringt mich zum Lächeln. Und es regnet noch immer. Der Donner hat sich verzogen. Irgendwo Richtung Horizont. Dort kann er bleiben und der sanfte Regen darf mich in den Schlaf singen.

Nickname 15.07.2021, 20.01

Kommentare hinzufügen

Die Kommentare werden redaktionell verwaltet und erscheinen erst nach Freischalten durch den Bloginhaber.



Kommentare zu diesem Beitrag

4. von Sonja

Ich mag es auch, dem Regen beim Einschlafen zu lauschen. Das gleiche gilt für starken Wind.

Mit den Extremen gebe ich Dir ebenfalls Recht. Corona, die ganzen Wetterkatastrophen, die steigende Agressivität der Menschen... Mir macht das auch irgendwie Angst. Die Welt hat sich teilweise sehr zum Negativen verändert. Nicht schön.

Liebe Grüße von Sonja

vom 16.07.2021, 15.58
3. von Morgentau

Das hast du toll geschrieben ... gefällt mir. Darin finde ich mich auch wieder.

Ja, diese Extreme, die belasten mich auch ganz arg. Da wird man krank davon. Keine gute Zeit für sensible Wesen.

Ein lieber Gruß zu dir!

vom 16.07.2021, 08.34
2. von Ocean

Du formulierst das so toll!! Oh ja, die Wetter-Extreme und ihre Folgen sind so horrormäßig ..frage mich wirklich, wie das weitergehen wird in den nächsten Jahren, ob das alles so bleibt. Früher fand ich so ein "kleines" Gewitter auch heimelig ..aber mittlerweile hat sich das geändert.

Und diese Extreme ganz allgemein finde ich auch schlimm - die Menschen werden immer krasser in ihren Äußerungen und auch Verhaltensweisen, es scheint oft nur Schwarz oder Weiß zu geben, Freund oder Feind, kein Mittelding, gefühlt immer weniger Akzeptanz von abweichenden Ansichten. "Meinung = Wahrheit", so sehen es viele. Und das finde ich nicht OK und sehr anstrengend. Ja, Corona hat das alles noch verschlimmert.

Liebe Grüße zu dir,
Ocean

vom 16.07.2021, 07.48
1. von BergfalkeR

Wenn es regnet wache ich nachts eher auf. Meistens, weil der Regen auf das Blechfenstersims prasselt. Oder es laut regnet. Dazu kommen dann die Gedanken: "hoffentlich regnet es nicht durch die offenen oder gekippten Fenster rein. Lieber nachschauen". Danach kann ich dann weiter schlafen

vom 15.07.2021, 20.37
  
  
 
   
Coffee and Words

 

Was ist schon ein Wort.

Eine Aneinanderreihung von Buchstaben.

Seltsame Schnörkel aufeinander folgend.

Kaffee, ja, Kaffee ist lebenswichtig.

Mit Milch und Zucker. Schön süß.

Das Leben versüßen.

Gemütlich dasitzen,

den heißen Kaffeebecher in der Hand.

Und die Gedanken laufen lassen. Irgendwohin.

Sollen sie doch!

Was sind schon Gedanken.

Vielleicht so etwas ähnliches wie Worte.

Sie kommen und gehen von alleine.

Okay, eher bleiben sie.

Ich könnte die Gedanken in Worte fassen.

Und sie ein bißchen in den heißen Kaffee tauchen.

Dann erschrecken sie.

Dann gehen sie vielleicht. Tschüß!

Oder ich gebe ihnen einen Platz. Keinen Raum.

Raum haben sie in meinem Kopf genug.

Raus aus meinem Kopf. Rein in das Blog.

Raus aus meinem Kaffee!

    

  

   

   

Was ich mag?

Stundenlang mit dem Löffel im Kaffeebecher kreisen.
Erst kommt der Zucker, dann die Milch in den Kaffee.
Und der Löffel bleibt beim Trinken in der Tasse!
Schon ein bißchen umständlich?
Was mag ich noch?
Schöne Worte, so wie früher.
Kein modernes Deutsch.
Schon gar kein ... wie sagt man? Denglisch?
Altmodisch könnte man das nennen.
Einfache, klare, deutliche Worte.
Fremdworte? Nö. Konnte ich noch nie leiden.
Vielleicht hatte ich auch Angst,
sie falsch einzusetzen.
Ich mag aber sowas von gar nicht Sprechen.
Ich schreibe lieber.
Oder ich habe geschrieben.?Früher.
Ist mir irgendwann und irgendwo
abhanden gekommen.
Wer sucht, der findet. Oder?
Vielleicht finde ich es wieder.
Das Schreiben.
Die Worte.
Fange ich doch einfach
mit Buchstaben an.
Schön aneinanderreihen.
Wie hübsch sie dastehen!
Geht doch!